NGC 3646 und NGC 3649 im Löwen

Auf die hübsche Spiralgalaxie NGC 3646 bin ich durch Zufall gestoßen. Sie durchläuft eine Phase heftiger Sternentstehung in ihren durch massive Sternhaufen gekennzeichneten Armen. Infolgedessen sind diese Arme auch im Ultravioletten extrem hell. Im Gegensatz dazu ist von ihrer Nachbarin NGC 3649 im Ultravioletten nur das Zentrum sichtbar. Die ringförmig umlaufenden Arme sind im sichtbaren Licht nur schwach ausgeprägt und im Ultravioletten völlig unsichtbar. offenbar spürt NGC 3649 nichts von der Gravitation von NGC 3646. Simbad hat NGC 3646 als Spiralgalaxie vom Typ Sc, d.h. mit kleinem Kern und weit geschwungenen Armen klassifiziert. Das ist auf dem Foto leicht erkennbar. NGC 3649 wird dagegen als S0-Galaxie, d.h. als eine Scheibenförmige Galaxie ohne Arme klassifiziert. Das ist zwar auf Basis der Aufnahmen des POSS nachvollziehbar, aber falsch. Der SDSS zeigt eindeutig einen Ring um den Kern, und mein Foto ebenfalls. Die extragalaktische Datenbank der NASA, NED, klassifiziert NGC 3649 korrekt als Balkenspirale. Das Galaxienpaar leuchtet aus einer Entfernung von etwa 200 Millionen Lichtjahren.

Am rechten Bildrand habe ich noch zwei Kleinplaneten erwischt. Rechts oben befindet sich (15212) Yaroslavl' mit einer Helligkeit von 17,4 mag. Der merkwürdige Name mit dem Apostroph hinter dem letzten L ist der Name der Hauptstadt eines alten russischen Fürstentums im Gebiet von Moskau. Als die Polen 1612 Moskau besetzt hatten, war es sogar die russische Hauptstadt. Heute ist Yaroslavl' ein Teil von Moskau, und der alte Stadtkern ist UNESCO Weltkulturerbe. Was man nicht so alles lernt, wenn man sich mit den Objekten im Bild näher befasst. Der zweite Kleinplanet befindet sich ganz weit unten direkt am rechten Bildrand. Es ist der Kleinplanet (1902) Shaposhnikov, der mit 16,4 mag eine Größenklasse heller ist. Auch er wurde wie Yaroslavl' vom Astrophysikalischen Observatorium auf der Krim entdeckt. Der 92 km große Shaposhnikov gehört zur Hilda-Gruppe, die in einer 3:2 Resonanz zu Jupiter die Sonne am äußeren Rand des Asteroidengürtels umkreisen. Er ist benannt nach dem sowjetischen Astronomen Wladimir Shaposhnikov, der am Simeisz-Observatorium gearbeitet hat und im zweiten Weltkrieg gefallen ist.

Die Aufnahme wurde durch durchziehende Wolken beeinträchtigt. Deswegen ist der Hintergrund stellenweise auch etwas unruhig. Wenn der Mauszeiger auf das Bild bewegt wird, werden auch die Bezeichnungen der helleren Objekte eingeblendet.

Datum: 05.04.18, 22:32h MEZ

Optik: f=750mm f/5,4

Nachführung: TVGuider mit Watec 120N an 90mm f/5,6

Gesamtbelichtungszeit: 69 min (Einzelbilder: 180 Sekunden)

Kamera: Atik 460EX

 

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