NGC 3692, NGC 3705, IC 696, IC 698, IC 699, IC2850, IC 2853, IC 2857, IC 2867 und IC 2887 im Löwen

Diese Aufnahme zeigt in der linken Hälfte die Spiralgalaxie NGC 3705, in der oberen rechten Ecke die Spiralgalaxie NGC 3692 fast in Kantenlage und im unteren rechten Quadranten eine größere Galaxiengruppe. Da der Himmel an diesem Abend mal wieder dunstig war, kamen vorzugsweise helle Galaxien als Ziel in Frage.

NGC 3705 ist eine Spiralgalaxie, die einerseits keinen zentralen Balken besitzt, aber dennoch einen zentralen Ring heller Sternentstehungsgebiete, an denen wiue bei Balkenspiralen die Arme ansetzen. Leider sind nur die hellen Arme, aber nicht mehr die diffuse, lichtschwächere Scheibe um sie herum sichtbar. Sie fiel dem Dunst zum Opfer. NGC 3705 befindet sich in etwa 60 Millionen Lichtjahren Entfernung und somit im Virgo-Haufen, zu dem auch unsere Lokale Galaxiengruppe gehört.

Am oberen Bildrand sehen wir NGC 3692 fast in Kantenlage. Ein Staubband ist aber weder auf meiner Aufnahme noch auf dem Bild des SDSS erkennbar. Sie ist mit über 90 Millionen Lichtjahren Entfernung ein Hintergrundobjekt.

Noch weiter im Hintergrund in einer Entfernung von fast 300 Millionen Lichtjahren steht die Galaxiengruppe im unteren rechten Quadranten. Alle Galaxien mit Nummern aus dem IC-Katalog und ein paar lichtschwächere drumherum gehören dazu. Interessanterweise sind alle großen Galaxien Spiralgalaxien. Es ist keine Elliptische Galaxie dabei, was anzeigt, dass es noch keine Verschmelzung von zwei größeren Spiralgalaxien gegeben hat. Alle Galaxien bis auf IC 698 sehen auch recht ungestört aus. Die Scheibengalaxie IC 698 weist Fortsätze, die Schweifansätze sein könnten, sowohl an ihrem südlichen als auch an ihrem nördlichen Ende Richtung Osten auf, wobei der südliche Fortsatz der hellere ist. Die Aufnahmen des SDSS legen nahe, dass IC 698 mit einer Zwerggalaxie verschmilzt. Literaturstellen, die auf das ungewöhnliche Aussehen von IC 698 näher eingehen, habe ich nicht gefunden. Z. Zhou und Koautoren haben in einem 2018 erschienenen Artikel allerdings auch das gestörte Aussehen von IC 698 bemerkt und spekulieren als Ursache über eine gravitative Wechselwirkung. Dazu würde auch die weit überdurchschnittliche Sternbildungsrate in IC 698 passen.

B. A. Williams hat die Galaxiengruppe um IC 698 in einem 1983 erschienenen Artikel untersucht, zu einer Zeit, als noch Fotoplatten belichtet wurden und noch keine langbelichteten CCD-Aufnahmen möglich waren. Er fand überraschend geringe Unterschiede der Fluchtgeschwindigkeiten innerhalb der Gruppe. Das bedeutet, dass die Mitgliedsgalaxien keine großen gravitativen Einflüsse aufeinander ausüben, da sie sich sonst mit merklichen Geschwindigkeiten aufeinander zu bewegen müssten. Diese fehlende Dynamik erklärt meinen obigen Befund, dass es in dieser Gruppe offenbar noch keine Verschmelzung von Spiralgalaxien gegeben hat. Ein weiterer überraschender Befund ist, dass die Galaxien im Mittel etwa die Größe der Milchstraße aufweisen, aber z.T. große Massenunterschiede zeigen. Die südlichste Galaxie, IC 699, enthält offenbar 30% der Gesamtmasse, während IC 696 nur knapp 7% der Masse enthält. Die übrigen Galaxien liegen bei 10-17% der Gesamtmasse. Es gibt also keine dominante Galaxie im Haufenzentrum, um die die übrigen Mitglieder kreisen.

Beim Klick aufs Bild oder hier erscheint dieser Ausschnitt in voller Auflösung und mit Angabe der Katalognamen der hellsten Galaxien.

Datum: 07.04.19, 01:00h MESZ

Optik: f=750mm f/5,4

Nachführung: TVGuider mit Watec 120N an 90mm f/5,6

Gesamtbelichtungszeit: 75 min (Einzelbilder: 180 Sekunden)

Kamera: Atik 460EX

 

Zurück