NGC 5348, NGC 5356, NGC 5360, NGC 5363, NGC 5364 (=NGC 5317) und UGC 8818 (Mahtessian 209) in der Jungfrau

Es gibt einige Gegenden am Himmel, in denen ich seltener unterwegs bin. Meistens handelt es sich um Gegenden um den Himmelsäquator und südlich davon, weil ich die von meiner Sternwarte aus schlecht erreiche. Das Sternbild Jungfrau zählt dazu, zumindest große Teile davon. Deshalb ist mir auch diese großartige Galaxiengruppe bisher entgangen, deren Licht etwa 60 Millionen Jahre bis zu uns benötigt. Das ist sozusagen noch die kosmische Nachbarschaft. Die Gruppe hat auch die Katalognummer Mahtessian 209 in dem eher unbekannten Katalog des armenischen Astronomen Abraham Mahtessian. Der Katalog beruht auf seiner Dissertation in 1989, in der er solche Galaxiengruppen untersucht hat.

Die hellste und massereichste Galaxie dürfte die Elliptische Galaxie NGC 5363 sein. Nach Simbad trägt sie zum Galaxientyp E den Zusatz gas für gasreich. Das mu tet im ersten Augenblick wie ein Widerspruch an, weil Elliptische Galaxien nur alte Sterne und kein Gas enthalten. Sternentstehung ist in ihnen nicht mehr möglich. Im Allgemeinen stimmt das auch, aber NGC 5363 enthält nicht nur Gas, sondern auch Staub, wie man auf meiner Aufnahme deutlich in der Nähe des Kerns sieht. Gas und Staub stammen von einer gasreichen Zwerg- oder Spiralgalaxie, die sich NGC 5363 einverleibt hat und deren zerrissene Reste jetzt noch um den Kannibalen kreisen. Wenige Bogensekunden westlich des Kerns befindet sich ein Vordergrundstern aus unserer eigenen Galaxie.

Südlich von NGC 5363 steht die großartige Spiralgalaxie NGC 5364. Sie ist offensichtlich zweimal entdeckt worden und wurde beim ersten Mal mit falschen, etwas weiter westlich gelegenen Koordinaten registriert. Deshalb hat sie auch noch die Zweitbezeichnung NGC 5317. Man kann den Verlauf der beiden mächtigen Spiralarme über mehr als eine Umdrehung verfolgen. Der Kern ist von einem Ring umgeben, an dem gegenüberliegend im Nordosten und Südwesten die Spiralarme ansetzen. Ganzsymmetrisch verlaufen sie nicht, und der eine fächert im Süden breit und diffus auf. Der andere macht es weniger stark uns ist auch etwas enger an der Galaxienscheibe anliegend. NGC 5364 wirkt dadurch leicht gestört.

Mit NGC 5348 und NGC 5356 ergänzen zwei weitere Spiralgalaxien die Gruppe. Beide sehen wir fast genau in Kantenlage, was ein paar Staubstrukturen vor der Scheibe erkennen lässt. Die Zwerggalaxie NGC 5360 westlich von NGC 5364 vervollständigt das Quintett. Die kleine Spiralgalaxie UGC 8818 nördlich von NGC 5348 befindet sich etwas weiter entfernt und gehört nicht zur Gruppe.

Zwei Kleinplaneten haben sich ins Bild gemogelt. In der unteren rechten Ecke hat der 17,2 mag helle (18336) 1988LG seine Bahn gezogen. Etwas unterhalb der Mitte des rechten Bildrands zog (28866) Chakraborty mit einer Helligkeit von 18,1 mag seine Spur. Da ich gern Supernovae fotografiere, kontrolliere ich auch meine Aufnahmen immer auf zusätzliche Sterne. Bei NGC 5364 vermisste ich allerdings einen kleinen Stern vor der Scheibe, der auf der Aufnahme des SDSS sichtbar war. Auch auf dem gestackten und noch nicht weiter bearbeiteten Bild war der Stern nicht drauf. Hatte der SDSS da einen kataklysmischen Variablen im Ausbruch erwischt? Die Auflösung brachte eine höhere Vergrößerung der SDSS-Aufnahme. Da war der Stern nämlich mehrfach und in verschiedenen Farben vorhanden. Der SDSS hatte einen Kleinplaneten erwischt, der zwischen den Filterwechseln ein wenig weiter gewandert war.

Das Bildfeld in voller Auflösung erreicht man beim Klick ins Bild oder hier. Dann werden auch die Bezeichnungen der helleren Objekte eingeblendet.

Datum: 08.05.18, 00:51h MEZ

Optik: f=750mm f/5,4

Nachführung: TVGuider mit Watec 120N an 90mm f/5,6

Gesamtbelichtungszeit: 72 min (Einzelbilder: 180 Sekunden)

Kamera: Atik 460EX

 

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