NGC 6749 (Berkeley 42) im Adler

Was auf den ersten Blick wie ein konzentrierter offener Sternhaufen aussieht, ist in Wirklichkeit ein Kugelsternhaufen. Wir sehen NGC 6749 durch eine Lücke im nächsten Spiralarm, schauen am Kern vorbei und weit darüber hinaus. NGC 6749 befindet sich knapp 26.000 Lichtjahre von uns entfernt und 12.500 Lichtjahre hinter dem Galaktischen Zentrum. Das Licht passiert auf dem Weg zu uns jede Menge Staub, weswegen die Sterne alle stark gerötet sind. Auf Farbaufnahmen erscheint der Haufen im Gegensatz zu vielen anderen Kugelsternhaufen deshalb rötlich.

NGC 6749 ist ein metallarmer Haufen, d.h. seine Sterne bestehen aus viel Wasserstoff und etwas Helium und enthalten nur geringste Spuren schwererer Elemente, die von den Astronomen alle als Metalle bezeichnet werden. Das kennzeichnet den Haufen als Halo-Haufen, der sehr früh in der Milchstraße entstanden ist und sich vornehmlich im Halo weit weg von der Scheibe aufhält. Auf seiner Bahn ums Galaktische Zentrum durchstößt er die Scheibe jedoch zweimal (was auch jetzt gerade passiert) und verliert dadurch ständig Sterne. Man schätzt, dass er bereits 75% seiner Sterne seit seiner Entstehung eingebüßt hat. Dadurch wird er immer lockerer und ist einer der am lockersten aufgebauten Kugelsternhaufen. Auf der Skala von I bis XII wird NGC 6749 der Klasse XII zugerechnet.

Durch den Eindruck, dass es sich auch um einen offenen Sternhaufen handeln könne, wurde NGC 6749 unter der Nummer 42 in den Katalog offener Sternhaufen der Berkely Universität aufgenommen. Eine Zeitlang sahen einige Astronomen ihn als offenen Sternhaufen, andere als Kugelsternhaufen an. Spätestens Ende der 90er Jahre war aber allgemein anerkannt und bewiesen, dass es sich bei NGC 6749 eindeutig um einen Kugelsternhaufen handelt. Allerdings gehören nicht alle Sterne, die dort zu sehen sind, zum Haufen. Durch die aktuelle Lage fast in der galaktischen Scheibe und der großen Entfernung gibt es etliche Sterne, die Vordergrundobjekte sind. L. Rosino et al. haben in einem 1997 veröffentlichten Artikel mehr als 300 langperiodische Sterne vom Mira-Typ gefunden, davon zwei direkt auf den Haufen projizierte.

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Datum: 26.06.20, 00:46h MESZ

Optik: f=750mm f/5,4

Nachführung: TVGuider mit Watec 120N an 90mm f/5,6

Gesamtbelichtungszeit: 63 min (Einzelbilder: 180 Sekunden)

Kamera: Atik 460EX

 

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