PK 110 +01.1 (PM 1-339) im Kepheus


M. Mrotzek bei Wellenlänge >807 nm.


Quelle: HST-Aufnahme aus 2002 bei 589 nm und 810 nm, Aufnahme gefunden bei Wikimedia.

Die Region südlich des Höhlennebels Sh2-155 um das Sternentstehungsgebiet Cep A nehme ich seit einigen Jahren regelmäßig auf. Aber erst dieses Jahr fiel mir beim Vergleich mit einem Planetariumsprogramm auf, dass sich in der Region ein mir bislang unbekannter Planetarischer Nebel versteckt. Die Recherche ergab, dass er mit einem Durchmesser von 8" sehr klein, aber als junger bipolarer Nebel sehr interessant und eingehend untersucht worden ist. Entdeckt hatte ihn Andrea Preite-Martinez in den Daten des Satelliten IRAS (Infrared Astronomical Satellite) und in seinem ersten, 1988 erschienenen Katalog veröffentlicht. Daher die Bezeichnung PM 1-339.

Dieser Planetarische Nebel macht - mit meinen Gerätschaften fotografiert - nicht viel her. Die beiden hellen Nebelteile sind erkennbar, wenn ich meine Aufnahme ein wenig vergrößere, aber genauso könnten es zwei eng beieinander stehende Sternchen sein, wie die beiden Sternchen nordöstlich vom Nebel. Aber immerhin konnte ich den Nebel in zwei Teile auflösen. Da erhebt sich natürlich die Frage, warum ich den Nebel mit einem Infrarot-Passfilter bei einer Wellenlänge oberhalb von 807 nm ablichten konnte. Sind Planetarische Nebel nicht Emissionsnebel, die vornehmlich in den Spektrallinien des ionisierten Wasserstoffs (Hα) und Sauerstoffs ([OIII]) leuchten?

PK 110 +01.1 bzw. PN G110.1+01.9 bzw. PM 1-339 ist ein noch sehr junger Planetarischer Nebel, der noch eine dichte Staubwolke aufweist. Dieser Staub bildete sich, als der Stern in seiner Riesenphase einen Superwind entwickelte und Gasmoleküle und Atome seiner Atmosphäre in seine Umgebung schleuderte. Bei Temperaturen um 200K kondensierten sie zu Staubpartikeln, die im mittleren Infrarot sichtbar sind. Dadurch konnte der Infrarotsatellit IRAS fast alle kompakten bekannten und viele bisher unbekannte Planetarischen Nebel finden. Der Staub ist ebenfalls im Nahinfraroten sichtbar.

P. Garcia Lario et al. haben 1991 eine eingehende Untersuchung von PM 1-339 vorgestellt. Allerdings haben sie die Fotos in den verschiedenen Wellenlängen um die horizontale Achse gespiegelt, so dass entgegen der Bildunterschrift Süden oben und Osten links ist. Das Spektrum von PM 1-339 weist hohe Intensitäten bei den Linien für Hα und [NII], aber bei Wellenlängen >900 nm auch für [SIII] auf. Obwohl meine Kamera bei Wellenlängen >900 nm nicht mehr so empfindlich ist, werde ich wohl den zweifach ionisierten Schwefel durch meinen Infrarot-Passfilter gesehen haben.

Datum: 04.09.21, 22:26h MESZ

Optik: f=750mm f/5,4

Nachführung: TVGuider mit Watec 120N an 90mm f/5,6

Gesamtbelichtungszeit: 96 min (Einzelbilder: 240 Sekunden)

Kamera: Atik 460EX

Filter: ProPlanet 807 IR-Passfilter von Astronomik

 

Zurück