NGC 7419 im Kepheus

Diese Aufnahme entstand nur als Beifang, als ich versuchte, mit dem großen Refraktor die Nebelregion um Cep A etwa anderthalb Grad weiter nördlich abzulichten. Da der kleine und große Refraktor noch nicht exakt parallel ausgerichtet sind, erhalte ich mit dem jeweils anderen Refraktor dann ein "Zufallsbild". In diesem Fall war mit NGC 7419 sogar ein hübsches Motiv drauf. Nach einer knappen halben Stunde Belichtungszeit musste wegen der einsetzenden Dämmerung abgebrochen werden.

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Datum: 15.07.18, 02:51h MESZ

Optik: f=380mm f/4,8

Nachführung: TVGuider mit Watec 120N an 90mm f/5,6

Gesamtbelichtungszeit: 25 min (Einzelbilder: 300 Sekunden)

Kamera: Atik 490EX

Filter: CLS von Astronomik

 

Der offene Sternhaufen NGC 7419 ist ein bemerkenswerter Haufen. Schon bei einer normalen Farbaufnahme fällt der hohe Anteil der orangenen und gelben Sterne auf. Kein Wunder, denn der Haufen zeichnet sich durch mindestens fünf Rote Überriesen und eine Vielzahl an Sternen der Spektralklasse B, die Emissionslinien in Hα im Spektrum zeigen, aus. Außerdem fällt rings um ihn herum eine gewisse Sternarmut auf, die durch z.T. vorgelagerte Staubwolken hervorgerufen wird. Der Staub rötet das Licht der blauen Sterne deutlich, so dass sie gelblich erscheinen. In einer neueren Arbeit ermittelten Astronomen den Abstand von NGC 7419 zu 13.000 Lichtjahren und das Alter zu 14 Millionen Jahren. Damit ist der Haufen sehr jung, etwa wie der Doppelhaufen h und χ (NGC 869 und NGC 884) im Perseus.

NGC 7419 zeigt aber weitere Besonderheiten. Bei den Sternen der Spektralklasse B mit Emissionslinien fällt zum einen ihr hoher Anteil (gegenüber einem "normalen" offenen Sternhaufen) und die Variabilität der Emission auf einer Skala von Jahren auf. Außerdem sind die B-Sterne alle recht massereich. Ein Haufen von der Masse von NGC 7419, die auf weniger als 10.000 Sonnenmassen geschätzt wird, sollte etwa einen, allenfalls zwei Rote Überriesen hervorbringen. NGC 7419 enthält fünf und damit gegenüber den Modellrechnungen und im Vergleich zu anderen offenen Sternhaufen einen nicht erklärbaren Überschuss. Auf der anderen Seite fällt auf, dass NGC 7419 nicht einen einzigen Blauen Überriesen enthält wie z.B. NGC 663, der etwa gleiche Masse und Alter hat und etliche Blaue Überriesen, aber nicht einen einzigen Roten Überriesen enthält.

Beim Klick ins Bild oder hier erscheint das Bildfeld in voller Größe zusammen mit einem Falschfarbenbild aus blauem, roten und infrarotem Licht.

Die Aufnahmen entstanden bei Mondlicht und durch Hochnebel, was ein bisschen Tiefe gekostet hat.

Datum: 31.10.15, 22:18h MEZ

Optik: f=750mm f/5,4

Nachführung: TVGuider mit Watec 120N an 90mm f/5,6

Gesamtbelichtungszeit: R = 45 min, G = 36 min, B = 36 min (Einzelbilder: 180 Sekunden)

Kamera: Atik 460EX

Filter: RGB aus Astronomik Filtersatz IIc

 

Die Bewegung des Schnellläufers LHS 3871 innerhalb der knapp 5 Jahren zwischen meinen beiden Aufnahmen ist deutlich zu sehen. Die Aufnahme aus 2010 ist rot, die neue aus 2015 türkis farbcodiert.

Der sehr kompakte offene Sternhaufen NGC 7419 besteht aus wenigen hellen Sternen und vielen weniger hellen Sternen, hebt sich aber trotzdem sehr gut wegen seiner sternarmen Umgebung vom Hintergrund ab. Er ist nicht nur fotografisch, sondern auch visuell ein schöner Anblick. Für die Profiastronomen ist er besonders interessant, weil er eine Vielzahl roter Sterne enthält. Im Vergleich zu anderen offenen Sternhaufen, die meist weiße oder bläuliche Sterne enthalten, ist der Farbunterschied von NGC 7419 eklatant. Ich hatte deshalb auch geplant, ein RGB-Bild dieses Haufens zu machen, mußte diesen Plan aber begraben, weil die Wolken doch schneller heranzogen, als ich dachte. So habe ich dann nur wenige ungefilterte Aufnahmen machen können.

Beim Vergleich meines Bilds mit der Aufnahme aus dem POSS II fiel mir in der oberen Hälfte ein Stern auf, der seine Position verändert hatte. Die astronomischen Datenbanken Simbad und Aladin wußten, daß es sich um den Stern LHS 3871 (auch Ross 226 genannt) handelt, der ein sonnennaher Zwergstern mit hoher Eigenbewegung ist. So hat dann auch eine etwas verunglückte Aufnahme manchmal noch eine Überraschung parat.

Da mein Autoguider ausgefallen war, mußte ich auf eine ausreichende Nachführgenauigkeit meiner Montierung hoffen und die Belichtungszeit auf 60 Sekunden pro Einzelbild beschränken. Vorteilhaft war die hohe Deklination von NGC 7419.

Datum: 25.12.10, 19:42h MESZ

Optik: f=1180 mm f/5,0

Nachführung: ohne

Gesamtbelichtungszeit: 13 min (Einzelbilder: 60 Sekunden)

Kamera: Atik 314L

 

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